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Joan Sallas / |
• Als begeisterter Falter konnte ich mich irgendwie nicht entscheiden, endlich ein Mitglied von einem Internationalen Origami-Verein zu werden, obwohl es hier in Slowenien, wo ich seit zehn Jahren lebe, keinen solchen wunderschönen Verein gibt. Im Internet besuchte ich mehrmals die Homepage von Origami Deutschland und anderen internationalen Vereinen. Dort sammelte ich für mich wichtige und interessante Krümel rundherum um und über Origami in all seinen zahlreichen Fascetten. Seit Jahren komme ich mindestens einmal im Jahr nach München und jedes Mal bin ich am Marienplatz zu der Buchhandlung Hugendubel auf die "Jagd" nach Origamibüchern gegangen. Eines der schönsten Funde von damals ist "Das Große Origamibuch" von René Lucio und Jan Spütz, eine wahre Origami-Schatztruhe mit wunderschönen Farbbildern von verschiedenartigen Origami-Modellen jeglicher Art. Vor einem Jahr, bei einem mehrtägigen Aufenthalt in München, konnte ich einen Freitagnachmittag zum Falten in Gasteig, das Origami München organisiert, telilnehmen und diesen Freitag wurde das Falten von Jan Spütz geleitet. Jeder Teilnehmer des Faltnachmittags bekam "Das Diagramm", eine Vereinszeitschrift von Origami München vom Dezember 1999 und darin war ein schöner Bericht über das XVII. CONVEGNO von C.D.O, das im Jahre 1999 in Italien stattfand. Nach diesem Artikel ist wieder der Wunsch aufgeflammt, etwas in die Richtung zu unternehmen, um andere Origamifalter zu treffen. Am Ende des Januars dieses Jahres war ich wieder in München und diesmal traf ich in Gasteig René Lucio. Es war erneut ein unvergessliches Treffen, wo wir wieder mal Schmetterlinge falteten und ganz zufällig die gleichen, wie vor fast einem Jahr zuvor mit Jan Spütz. Das Treffen war ein Kennenlernen eines sensiblen Manns, so wie es auch Jan ist und die Entscheidung war gefallen den Kontakt zu anderen Faltern zu suchen und zu vertiefen.
• Die Anmeldefrist zum 14. Internationalen Treffen von Origami Deutschland hatte ich noch am letzten Tag gerade geschafft und die Mitgliedsbestätigung von Origami Deutschland war eine Woche vor dem Treffen angekommen. Ich war darüber sehr begeistert und konnte es kaum noch erwarten. Wie ein Kleinkind wartete ich seelig auf den 25. Mai 2002. Endlich war er da. In der Früh bin ich losgefahren und nach etwas mehr als 900 km und 10 Stunden Fahrt in Merseburg angekommen. Das Radisson SAS Hotel war nicht schwierig zu finden (ich fragte ja nur zweimal). Im Zimmer auf dem Bett wartete auf uns eine Praline in einer wunderbaren dreieckigen Origami-Schachtel. Und gleich anfangs, vor dem offiziellen Beginn, wurde eine Origami-Ausstellung von den Teilnehmern vorbereitet und zwischendurch sah man die Wiedersehens-Freude alter Bekannter, die sich seit langem nicht mehr gesehen hatten. Gleich von Anfang an, obwohl ich andere Teilnehmer ausser Renate Sieber aus München nicht kannte, fühlte ich mich gleich willkommen in der grossen Origami-Familie, die sich wieder einmal versammelt hatte und vergnüglich miteinander plauderte. Zu sehen waren rundherum gelassene, tief friedvolle und glückliche Gesichter, die zum Falten, Falten und nochmals zum Falten zusammenkamen. Es waren grosse und kleine Falter dabei, ganze Familien mit Nachwuchs und wenn man genau hinsah, waren alle jung im Herzen. Nach einer Stunde Verspätung wurde dieses Origami-Treffen offiziell eröffnet und jeder Teilnehmer bekam eine schöne Tragetasche mit dem Merseburger Raben als Emblem und der Aufschrift "Origami Deutschland grüsst die Falter der Welt“. Darinnen waren: Ein gelber Tagungsband, die 33. Ausgabe des "Falters" und eine zusätzliche Tragetasche (gespendet, glaube ich aus Holland). Ausserdem bekam man ein Getränk zum Anstossen, einen gebackenen Raben mit Schokoladenguss und eine Miniatur-Schildkröte.
• Nach der kurzen Begrüssung von Ruth Schumann (die 1. Vorsitzende von OD) hat uns Stephan Weber in das Rabenfalten eingeführt (den hatte er 15 Minuten vor dem Beginn des Treffens entworfen). Es war schön, zusammen mit mehr als 100 Teilnehmern den Raben zu falten und Stefan zeigte die Faltungen sogar mit dem Rücken zum Publikum, damit man leichter mitfalten konnte. Von der 1. Vorsitzenden von OD, Ruth Schumann, wurde uns ausführlich über die gerichtliche Entwicklung und dem Beschluss in der Sache "Eduard Maier“ berichtet. Danach hatte der Kassenwart Klaus Kostka eine weitere Erläuterung zum Kassenstand von OD gegeben und am Ende der Vereinsversammlung wurde unter anderem der neue Veranstaltungsort vom nächsten Origami-Jahrestreffen von OD gewählt. Das XV. Jahrestreffen von OD wird vom 23.05. bis 25.05.2003 in Bonn stattfinden.
• Es wurde noch die Rabengeschichte in Prosa und als Lichtspiel dargestellt. Man wurde aufgefordert, sich bis zum nächsten Tag einen Hut zu falten, weil der kommende Abend ein Hut-Abend sein sollte. Die jährliche Mitgliedversammlung war damit für Ruth Schumann und den anderen des Vereinsausschusses von OD überstanden. Das Abendessen war gut und besonders gefiel mir das Plaudern über Origami beim Essen. So erfuhr ich von Klaus-Dieter Ennen etwas über Peter Koppens „Microships“. Danach wurde frei gefaltet, mal zeigte der eine, mal der andere verschiedene Origami-Modelle.
• Dabei haben zwei Teilnehmer (Stefan Delecat und Birgit Schumacher) australische Aborigini-Musik gespielt, es war eine wundervolle Musik-Kulisse zum Falten. Müde und erschöpft von der langen Reise fiel ich um Mitternacht ins Bett.
• Am Samstag hatten die Frühaufsteher schon morgens angefangen zu falten und nach dem Frühstück konnte man in Silke Schröder's Bücher- und Papier-Laden einkaufen. Es ist eine wahre Oase, wo man so viele schöne und interessante Bücher an einem Ort sehen und kaufen kann. Wenn man sich die verschiedenen Papiersorten ansieht ist man begeistert, was es alles in der Welt gibt, besonders die japanischen Washi Papiere sind einzigartig. Auch die Pilger, von denen ich selber einer war, die den Laden besuchten, waren interessant anzusehen. Man konnte einfach nicht herauskommen ohne etwas zu kaufen, jeder hatte sich mit Origamitis angesteckt. Ich habe neben ein paar Büchern und Papier noch 26 frühere Ausgaben von dem "Falter“ dort bekommen, dank Heide Karst, die sie aus dem Archiv mitgebracht hatte.
• Es gab jetzt unter verschiedener Leitung spezielle Falt-Zimmer. Ich wollte Heinz Strobels Knotologie kennenlernen und nahm an seinem Kurs teil. Es erwies sich als nicht so einfach, wie es anfangs schien. Aber es war sehr interessant, das Flechten und Falten von Telex-Bändern. Seine gelben knotologischen Skulpturen auf schwarzem Satin sahen einfach umwerfend aus. Es gab noch andere interessante und sehenswürdige Workshops wie z.B. eine Meditation mit Zen-Vertiefung.
• Nach dem Mittagessen falteten wir Hüte in Hülle und Fülle, so dass jeder einen Hut für den Abend hatte. Es folgte das obligatorische Gruppenfoto im nahe gelegenen Park. Ich konnte ein Bild von unseren Fotografen machen, als sie das Gruppenfoto knipsten. Einer von ihnen identifizierte sich später als Wolfgang Labs, der langjährige offizielle Fotograf bei den Origami-Jahrestreffen Deutschlands. Der kulturelle Abend begann mit einer Origami-Erzählung des französischen Paares Annette und Paul Hassenforder. Annette erzählte und Paul faltete parallel zum Verlauf der Geschichte die Objekte und Figuren aus der Geschichte. Wir, die Zuschauer waren mit einem Lied und selbsterwählten und dort gefalteten Figuren in die Geschichte eingebunden.
• Der Abend ging mit einem Zauberer weiter, der uns mit Humor und Spannung einfach mental fesselte, so dass wir die Tricks nicht mitbekamen, obwohl er uns dann einen Trick scheinbar erklärte in einer schönen und heiteren Mundart. Drei Mitglieder von OD aus der Schweiz unter der Leitung von Barbara Rähmi hatten ein Origami-Puppenspiel gezeigt. Danach ging der tanzende Hutabend mit einer unendlich langen Schlange von Origamistinnen und Origamisten mit aussergewöhnlichen Hüten erst los. Nach einer halben Stunde Schlangentanz konnte man wieder nach Belieben falten.
• Am Sonntagvormittag nach dem Frühstück hatten die Origami-Profis Faltstunden wie z.B. Stephan Weber, der einige wundervolle Tiere faltete (Stier und Einhörnchen). Stefan Delecat zeigte uns einen Pyramidenständer für ein Blatt Papier oder Bild, Helmut Gembitzki zeigte seine gedrehten Sterne.
• Am Sonntagnachmittag zeigte mir Maarten van Gelder, wie man seine Pilze faltet. Aus Holland hatte er auch vier grosse Origami-Skulpturen in Unit-Form, jede grösser als zwei Meter, mitgebracht und sie am Ende eines Flures aufgebaut. Die schönsten und realistisch wirkenden Origami-Tiere hat Stephan Weber mit schwarzem Papier gefaltet. Diese Modelle hatte er auch unterrichtet. Dabei hatte er eine geniale Idee: Er müsse einmal einen Faltabend (Faltstunden) organisieren, wobei er nur Falttechniken und Faltmöglichkeiten zeigen würde, ohne dass der Zwang, ein fertiges Modell zu erschaffen da wäre. Ich hoffe, dass Stephan im kommenden Jahr die Idee verwirklicht und würde mich gleich zu so einem Faltabend einschreiben.
• Sehr interessant zu sehen waren Origami-Modelle aus Porzellan und Silber-Papier, die Ulrike Krallmann-Wenzel gefaltet hat. Sie gab auch sehr interessante und detaillierte Informationen, wenn man sie darüber fragte. Nicht zu übersehen war auch ein Skelett: Der in rotem Papier gefaltete Tyrannosaurus Rex, den Rainer Caspary mitgebracht hatte.
• Das Internationale an diesem Treffen waren selbstverständlich die Teilnehmer. Man hörte beim Essen und Falten Englisch, japanisches Englisch, Holländisch, Französisch, Schweizer Deutsch und einige Deutsche konnten sich an ein paar Worte Kroatisch erinnern, die sie früher in den Ferien gelernt hatten und dann mich damit erfreuten. Der Japaner Dai Watanabe war, glaube ich, zur Zeit geschäftlich in Belgien. Er hörte von diesem Treffen und er kam. Die drei Tage des Treffens waren einfach zu schnell vorbei und jetzt kann ich mich nicht entscheiden, ob das Falten oder das Gespräch mit anderen Falterinnen und Faltern schöner waren. Bei diesem Jahrestreffen hatte ich zwei grosse Imagiros vermisst: Paulo Mulatinho und René Lucio. Ich hoffe seeligst, dass die beiden den Gedanken von Paulo, den ich vor ein paar Jahren auf der Homepage von OD gelesen hatte, verwirklichen. Er lautete ungefähr so: Jeder Mensch hat ein anderes Motiv um Papier zu falten aber ein Motiv sollte gemein sein: Dass man Frieden und Freundschaft verbreitet; und Origami ist ein wunderbares Mittel, um diesen Traum zu verwirklichen.
• Ich hoffe, dass ich mit diesem Artikel nicht nur die üblichen Begebenheiten beschrieben habe sondern auch einen kleinen Hauch der Atmosphäre am Treffen herbeizaubern konnte. Vielen Dank an alle, die dieses für mich persönlich höchst gelungene Jahrestreffen organisierten und ausgeführt haben. Danke auch an alle die mich in noch nicht gekannte Origami-Bereiche einführten wie z.B. Heinz Strobel mit seiner Knotologie. Ich hoffe, dass wir uns alle und noch weitere "neue" Falter, nächstes Jahr beim XV. Internationalen Treffen von Origami Deutschland in Bonn wiedersehen.
• Mit herzlichen Faltgrüssen,
Nedeljko Grabant
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Gruppenfoto |
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